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Wohnungshaltung

Lange habe ich überlegt, wie ich Sie zu diesem – für manche sehr herausfordernden – Thema erreichen, abholen und mitnehmen (vielleicht sogar berühren) kann, da oft hier die Ursachen für Verhaltensprobleme bzw. vom Menschen unerwünschtes Verhalten liegen.

Zunächst müssen wir uns jedoch die folgende Tatsache bewusst machen:
Reine Wohnungshaltung = Leben in Gefangenschaft + Kontrollverlust

Katzen in reiner Wohnungshaltung haben im Gegensatz zu uns Menschen oder Hunden nichts als die Wohnung. Die Wohnung, die Sie liebevoll nach Ihrem Geschmack, Ihren Bedürfnissen und Vorlieben eingerichtet haben … diese Wohnung ist 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr die ganze Welt Ihrer Katze.

In dieser Welt sind unsere Katzen wie Kleinkinder, die sich uns gegenüber nicht eineindeutig mitteilen können, kein selbstbestimmtes Leben führen und ihr Überleben von uns abhängig ist. Sie können weder trinken noch fressen was, wann oder wo sie wollen noch können sie bestimmen, mit wem sie leben.
Wir geben ihnen sogar vor, wo sie ihre Geschäfte verrichten, wo sie schlafen oder womit sie nur spielen dürfen.
Im Gegensatz zu Kleinkindern werden unsere Katzen niemals volljährig ausziehen können, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen … stattdessen sind sie bis zu ihrem Tod von unserer „Gnade“ und Fürsorge abhängig.

Wenn wir in diesem Bewusstsein und dem Wunsch im Herzen, die artspezifischen Bedürfnisse unserer Katzen zu erfüllen, pro-aktiv losgehen, dann können wir ihnen auch in unserer Gefangenschaft ein schönes Leben bieten.

Katzenberatung in Berlin

Das Wesen der Katze:
Katzen sind sehr sensible und empfindsame Tiere, die in der Natur sowohl die Rolle des Jägers aber auch die der Beute einnehmen (müssen).
Daher ist es auch Teil ihres Wesens, immer wieder sehr aufmerksam Situationen neu einzuschätzen, um jeweils die richtige Überlebensstrategie auszuwählen.

Es ist demnach auch nicht verwunderlich, dass Katzen Sicherheit aus einer gleichbleibenden Lebensumgebung mit Routinen ziehen und eine vertraute physische und soziale Umwelt zum Wohlfühlen brauchen.

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich die Sensitivität einer Katze ähnlich der von hochsensiblen Menschen vorstellen. Sie nehmen mit ihren Sinnen alles viel stärker wahr und verarbeiten die Reize tiefer und vielschichtiger. Und obwohl hochsensible Menschen sehr sozial sein können, brauchen sie regelmäßig exklusive Zeit für sich allein, um ihre innere Ruhe und Balance zu bewahren und den Akku aufzuladen, denn die intensivere Reizwahrnehmung und -Verarbeitung kostet viel Energie.

Natürliche Verhaltensweisen von Katzen:
Die meisten Verhaltensweisen von Katzen sind auf das Überleben in der Natur ausgelegt. Sie jagen, um sich zu ernähren, wofür die körperliche Fitness wichtig ist. Da die Beute der Katze eher kleine Tiere sind und nur etwa die Hälfte der Jagdversuche zum Erfolg führen, sind sie relativ viel in Bewegung und fressen mehrmals am Tag.

Für Katzen sind Vermeidungs- und Fluchtverhalten angesichts von Bedrohungen wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Überleben. Möglichkeiten zum Verstecken, zur Flucht und den Überblick über die Umwelt zu haben, gibt ihnen ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit. Katzen wählen nur im äußersten Notfall die kämpferische Auseinandersetzung als Mittel zur Verteidigung.

Auch zeigen Katzen als Schutzmechanismus vor Angreifern äußerlich keine Schwäche, Schmerz oder Krankheiten. Das bedeutet, dass wir als Katzenhalter sehr aufmerksam sein müssen und lieber einen Tierarztbesuch mehr riskieren sollten.
Auch aus diesem Grund ist der jährliche Gesundheitscheck bei Katzen so wichtig.

Katzen wählen für die verschiedenen Grundbedürfnisse unterschiedliche Orte. Das beginnt beim Schlafen, Ruhen, Fressen und Trinken und geht weiter über Pipimachen bis hin zu den großen Geschäften.

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Was bedeutet das also übertragen auf die Wohnungshaltung von Katzen?

Grundvoraussetzung für die Wohnungshaltung ist zunächst genügend Platz, um die Orte der Bedürfnisbefriedigung einer Katze – der Natur der Katze entsprechend – örtlich zu trennen, d. h. Schlafplatz, Futterplatz, Katzenklo und Trinkstelle sind alle voneinander getrennt.

Katzen jagen zwar einzeln und leben ursprünglich als Einzelgänger, doch sind sie sehr soziale Tiere, die bei ausreichend vorhandenen Ressourcen sehr gut in Gruppen leben können. Vor allem in einem Mehrkatzenhaushalt ist es daher wichtig, dass ausreichend (mehrere gleichwertige) Ressourcen verteilt auf unterschiedliche Orte vorhanden sind und sie auch die Möglichkeit bekommen die Ressourcen ohne Sichtkontakt zu nutzen, und sich so bei Bedarf aus dem Weg gehen zu können.

Damit sich die Katzen auch voneinander zurückziehen können, ist somit nicht die Grundfläche der Wohnung entscheiden, sondern die Anzahl der von den Katzen nutzbaren und mit Ressourcen ausgestatteten Räume und die dreidimensionale Raumausnutzung.

Dies bedeutet, dass es keine Einbahnstraßen oder Sackgassen zu den wichtigen Ressourcen wie Futter, Katzenklo, Trinkstelle, Kratzbaum, Aussichtsplatz, Höhle etc. geben darf, damit der Zugang nicht blockiert werden kann.

Der Mensch ist aufgrund seiner Versorgerrolle aus Sicht der Katze eine wichtige Ressource, die das Überleben sichert. Darüber hinaus ist er mit seiner Zuwendung ebenso ein wichtiger Sozialpartner. Katzen sind zu tiefen Bindungen fähig, und brauchen daher regelmäßige und vorhersehbare soziale Interaktionen und sollten (bis auf wenige Ausnahmen) mit einem passenden Artgenossen leben dürfen, da der Mensch wiederum im Normalfall die innerartlichen Bedürfnisse von Katzen nicht erfüllen kann.
Allerdings kann auch ein passender Artgenosse das Fehlen von sozialer Interaktion mit dem Menschen nicht ersetzen. Gerade in einem Mehrkatzenhaushalt sind tägliche Qualitätszeiten mit jeder einzelnen Katze für ein harmonisches Zusammenleben aller sehr wichtig.

Katzen kommunizieren in der freien Natur viel über Kratz- und Geruchsmarkierungen und ihre Körperhaltung inkl. Gesichtsmimik und den Augen. Sie markieren strategisch wichtige Punkte in ihrem Lebensraum, mittels Gesichtspheromonen, Kot, Urin oder Kratzen und machen es dadurch gleichzeitig zu etwas Vertrautem.

Katzenberatung - Katzenexpertin in BerlinDer Kratzbaum
Wir Menschen wählen in der Regel den Standort für unser Sofa nach dem Kriterium, dass es ein zentraler Ort ist, von dem wir einen guten Überblick über das Wohnzimmer und auf den Fernseher haben. 🙂
Aufgrund der oben genannten Aspekte ist ein Kratzbaum mit großen Liegeflächen und stabilen, langen Stämmen und unterschiedlichen Ebenen (bis mind. zur Augenhöhe von uns Menschen) neben dem sozialen Hotspot “Sofa” ein extrem wichtiger Faktor im Leben unserer Katze.
Auf dem Kratzbaum hat sie nämlich die Möglichkeit am sozialen Geschehen teilzuhaben und gleichzeitig in sicherer Distanz zu sein. Von dort aus kann sie die Umwelt im Auge behalten, was ihr z. B. auch die Möglichkeit gibt, sich langsam mit fremdem Besuch vertraut zu machen und nicht erstmal aus dem Raum fliehen zu müssen. Der Kratzbaum ist ihr sicherer und gemütlicher Rückzugsort, an dem sie nicht “ungefragt” angefasst wird, denn das ist die Definition von einem Rückzugsort.

Wenn die Katze ihren Duft im gesamten Lebensraum verteilt wahrnehmen kann, fühlt sie sich wohl.
Indem wir ihr eigene Betten, Kratzbäume, Decken, Spielzeug und Plätze geben und auf duftneutrale Waschmittel, Weichspüler, Reiniger etc. zur Behandlung von Katzenbetten, Katzendecken & Co. greifen, ermöglichen wir ihr, sich selbst zu riechen. Grundsätzlich intensive Düfte im Lebensraum der Katze zu vermeiden (Duftkerzen, Raumspray & Co,), hilft ihr sich über ihren eigenen Duft sich ihres Zuhauses (Territoriums) zu versichern.

Katzenberatung in Berlin

Hiermit können wir unseren Katzen ein artgerechteres Leben ermöglichen:

  1. Einen passenden Artgenossen da wir Menschen einen Artgenossen nie ersetzen können (bis auf einige Ausnahmen)
  2. Ausreichend Ressourcen, d. h. alle nachfolgenden Punkte sollten mind. in der Anzahl der Katzen vorhanden sein – aber je mehr desto besser  🙂
  3. Liebevolle, fürsorgliche, verantwortungsvolle und achtsame Katzeneltern mit genug Armen, um im Falle des Falles, alle Katzen gleichzeitig streicheln zu können
  4. Ausreichend Platz, wobei die Anzahl der von Katzen als Rückzugsmöglichkeit nutzbaren Räume wichtiger ist als die reine Grundfläche
  5. Eine Artgerechte Ernährung
  6. Kratzbäume mit langen, stabilen Stämmen, um sich daran zu strecken und Krallen zu wetzen und mit großen Liegeflächen zum entspannt ausgestreckten Ruhen an strategisch wichtigen Orten (neben der Couch, im Schlafzimmer, am Fenster, im Flur, auf dem Balkon etc.)
  7. Ungestörter und sauberer Futterplatz mit den richtigen Futternäpfen (standsicher, breit mit flachen Rändern aus hygienischem Material ohne Eigengeschmack)
  8. Richtiges Katzenklo-Management
  9. Schlaf- und Ruheplätzen mit Katzenbetten, die nur der Katze gehören
  10. Hohe Aussichtsplätze zum Beobachten in Distanz, die gleichzeitig zum sicheren Rückzug dienen
  11. Höhlen und Kisten zum “unsichtbaren” Rückzug = Verstecken
  12. Ausreichend Platz und Möglichkeiten zum Rauf- und Runterspringen, Klettern durch Schaffung einer vertikalen Welt
  13. Einbahnstraßen und Sackgassen vermeiden oder durch Catwalks auflösen
  14. Aussichtsplätze zum Schlafen und Ruhen und Katzen-TV am Fenster
  15. Ruhige und verschiedenartige Trinkplätze (Schüssel & Trinkbrunnen)
  16. Verlässliche Alltagsroutinen (Fütterungszeiten, Spielzeiten, Ruhezeiten etc.)
  17. Jagdspiele vor der Fütterung nach dem Prinzip von Jagen, Fangen, Töten & Fressen
  18. Sport = auspowerndes Spielen/Toben, um Energiestau mit negativer Entladung vorzubeugen
  19. Berechenbare und respektvolle Interaktionen mit dem Menschen
  20. Neue Reize für die Sinne (neues Spielzeug, neuer Kratzbaum oder Wandliege)
  21. Ausreichend Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten (verschiedenartige Bälle, Fummelbretter, selbstgebastelte Fummelkisten, Naturbast-Haufen etc.)
  22. Training & Clickertraining fördert und fordert das Katzenköpfchen und stärkt das Selbstbewusstsein
  23. Katzengras im Topf und/oder als kleine Katzengras-Oase (60 x 40 cm)
  24. Wind um die Nase und Sonne auf dem Pelz = Balkon – KATZENSICHER
  25. Katzensicherheit im gesamten Zuhause (keine giftigen Pflanzen, gesicherte Fenster, keine unbeaufsichtigten offenen Kippfenster, Schnüre, Wolle und Fäden, verschluckbare Kleinteile etc.)

Unseren Katzen antworten bzw. auf ihre Mitteilungsversuche reagieren:
Indem wir auf unsere Katze reagieren, wenn sie uns signalisiert, dass sie auf den Balkon gehen oder gestreichelt werden möchte, geben wir ihr das Gefühl, dass ihr Handeln Wirkung hat und es sinnvoll, ist ihre Bedürfnisse uns gegenüber zu äußern. Genauso verhält es sich, wenn die Katze uns bittet den Wasserhahn aufzudrehen, damit sie morgens vom Wasserhahn trinken kann, während wir uns die Zähne putzen. Andersherum gibt es ihr auch ein Gefühl der Kontrolle und Selbstbestimmtheit, wenn sie uns mitteilt, dass sie nicht mehr gestreichelt werden möchte, und wir dies respektieren.

Respektvolle Interaktion
Grundsätzlich sollte kein Tier “ungefragt” einfach angefasst oder hochgenommen werden, denn es sind Lebewesen, die ebenfalls so etwas wie die “Privatsphäre des eigenen Körpers” empfinden. Eine respektvolle Interaktion mit unseren Katzen ist sowohl zum Wohle der Katzenpsyche als auch zugunsten einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Katze und Mensch von großer Bedeutung.
Eine Katze aus heiterem Himmel hochzunehmen oder ohne vorherige Ansprache eine schlafende Katze im Vorbeigehen zu streicheln ist nicht nur rücksichtlos und unhöflich, sondern stellt eine Form des Verfügens über die Katze dar.
Solch ein respektloser Umgang mit Katzen kann zu einem Vertrauensverlust zum Menschen und/oder dem Leben(sraum) führen und sie schließlich in eine Flucht- oder Verteidigungssitutaion drängen. Befindet sich die Katze in der Notsituation, kann es sich auch in Aggression gegenüber dem Menschen zeigen.

Unsichtbare Katzen
Leider wird zu oft das Verhalten von unsichtbaren Katzen (die resigniert und sich ihrem traurigen Schicksal gefügt haben) fehlinterpretiert. Die Katzenbesitzer sind dann im Glauben, dass sie einfach anspruchslose, zufriedene und etwas verfressene Katzen haben, die einfach nicht mehr spielen und viel schlafen. Diese Katzen äußern kaum noch Bedürfnisse gegenüber dem Menschen und wirken auch nicht sehr wach und interessiert, reagieren oft auch langsamer auf Ansprache.
Dies wird deutlich, wenn Katzen, mit denen seit Jahren nicht mehr gespielt wurde, völlig begeistert springen und toben, wenn sie in der entsprechenden Form dazu eingeladen werden.

Katzen sind Überlebenskünstler in jeder Hinsicht … und genau aus diesem Grund zeigen viele Katzen auch ihr seelisches Leiden nicht, sondern arrangieren sich mit dem, was ihnen nur zur Verfügung gestellt wird.

Ich bin überzeugt, dass wenn Sie Ihre Katze lieben und als Familienmitglied ansehen, Sie sich für Ihre Katze die Bedürfniserfüllung und echte Lebensqualität wünschen.

Katzenberatung - Wohnungshaltung

PERSPEKTIVWECHSEL:
Wir haben allen Grund unserer Katze dankbar zu sein – auch wenn sie vielleicht gerade begonnen hat ein unerwünschtes Verhalten zu zeigen. Denn wir können uns sicher sein, dass es zuvor bereits viele Gründe gegeben hat, die jedoch still von ihr hingenommen und ertragen wurden. Katzen kompensieren sehr viel und sehr lange bevor sie äußere Anzeichen von Mangel oder Schmerzen zeigen. Daher appelliere ich an alle Katzenbesitzer mit Verständnis und Mitgefühl auf auftretende Verhaltensprobleme ihrer Katzen zu reagieren und pro-aktiv Ursachenforschung zu betreiben.

Mit diesem Beitrag, der nur einen kleinen Umriss dieses wichtigen Themas darstellt, möchte ich Ihr Bewusstsein für die artspezifischen Bedürfnisse unserer Katzen wecken und schärfen, die breitgefächerter und vielschichtiger sind als viele glauben.

Ich möchte Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie den Lebensraum (physisch und sozial) und damit die Lebensqualität ihrer Katze optimieren können.

Ich wünsche mir von Herzen, dass Sie mit diesem Wissen und dessen Umsetzung
von Katzenbesitzern zu Katzeneltern werden

Katzenberatung in Berlin

Und wie immer:
Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel!

Be PAWsitive & Shine!

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