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„Ich spreche nur mit studierten Tierärzten.“

Das war der Satz, den sich meine Kundin von ihrem Tierarzt anhören durften, als sie ihm anboten den Kontakt zu mir herzustellen, nachdem er sagte, dass er sich mit Gabapentin nicht auskennt und deshalb nicht einsetzen will.

Die Tierarztpraxis, in der er angestellt ist, hat mehr als 10 Tierärzte und befindet sich in einer ziemlich großen Stadt (Berlin) mit echt gutem Internet, so dass seine Antwort besser anders lauten sollen.

Die Ironie hierbei ist allerdings, dass Tierärzte oft nur Artikel von Kollegen (wie z.  B. den Einsatz von Gabapentin) lesen und ohne diese weiter zu hinterfragen, d. h. unkritisch  übernehmen und sich dann wundern, warum es nicht richtig wirkt.

Die Konsequenz war, dass diese Katzeneltern die Tierarztpraxis gewechselt haben, denn zum Glück gibt es in Berlin auch noch eine Hand voll toller Tierärztinnen, die nicht ignorant und arrogant sind.

Ob es purer Zufall ist, dass dieser Tierärzt ein älterer Mann ist?

Zum Hintergrund:
Ich wurde um Hilfe gebeten, weil die Katze sich den Bauch und alle Pfoten (hinten wie vorne) kahl leckte und immer wieder scheinbar „grundlos“ die Menschen angriff. Ihre neuen Katzeneltern verstanden, dass sie einen hohen Leidensdruck haben musste und wollten deshalb nichts unversucht lassen, um ihr zu helfen. Dennoch wurde das Zusammenleben stetig schwieriger.

Da ich in solchen Fällen immer körperliche Ursachen ausschließen bzw. finden muss, wenn ich den Katzen nachhaltig helfen möchte, ist eine gründliche tierärztliche Untersuchung wichtig. Doch weil es für die Katzenhalter oft nicht einmal möglich war, die Katze in die Transportbox zu setzen, aber die Zeit drängte, empfahl ich der Katze mit niedrig dosiertem Gabapentin zu helfen. Vor allem auch, weil der Tierarzt auf ihre Verteidigungsversuche mit Gewalt antwortete.

Bei angst-aggressiven Katzen werden katZENfreundliche Tierarztbesuche zu einem wichtigen Teil der Verhaltenstherapie, weil sie dabei positive Erfahrungen machen dürfen, die zum Referenzerlebnis für den nächsten Besuch und Interaktion mit Menschen wird.  D. h. die Katze lernt, dass TA-Besuche und fremde Menschen vielleicht doof sein mögen, aber nicht gefährlich sind.

Dann erzählte mir eine Tierärztin von einem neuen Kunden, der beim ersten Besuch die Katze aus der Transportbox zieht und sie mittels Nackengriff fixiert und ist dann irritiert, weil sie sagt, dass er damit aufhören soll, denn schließlich wurde ihm das so in einer anderen Tierarztpraxis gezeigt.

Und was soll ich zu so tragischen Fälle wie Carlos, Finn oder Lima sagen, die in meiner Beratung über einen sehr langen Zeitraum mit ihren engagierten Katzeneltern ihre Angst und sogar Trauma (verursacht durch Tierärzte) überwinden konnten und dann von anderen Tierärzten erneut durch Gewalt traumatisiert wurden???

Die getigerte Angstkatze in diesem Video hat einen langen Weg hinter sich gebracht hatte und gut auf die bevorstehende Zahn-OP vorbereitet war. Dann musste sie 3 Wochen vorher an einem Sonntag zum Tierarzt, weil sie sich erneut am Ohr blutig gekratzt hatte und die Katzenhalterin sich große Sorgen machte … also eigentlich kein medizinischer Notfall. Die diensthabende Tierärztin (einer großen Tierarztpraxis im Süden von Berlin) nahm keine Rücksicht darauf, dass Lima ängstlich war und sie wurde mit Gewalt an der Brust fixiert, der Schorf abgekratzt bis es blutete und dann Surolan auf die blutende Wunde aufgetragen und ein Plastiktrichter aufgesetzt. Sie hat einen alten Bruch des Sternums, der den Brustraum einengt, d. h. Herz und Lunge haben weniger Platz … auch zum Atmen. An dieser Stelle dürfen Tierärzte diese Vorgehensweise ihrer jungen Kollegin bewerten.

Ist es im Sinne der Tiere, wenn man den Notdienst in einer großen Praxis mit Klinikstatus nur mit jungen unerfahrenen Tierärzten besetzt, weil sich die erfahrenen Tierärzte das freie Wochenende verdient haben? Wäre es nicht vielleicht sinnvoller und dem „Dienst in der Not“ angemessen, 1-2 erfahrene (und deshalb) besonnene Tierärzte als Vorbild und „Sicherheitsnetz“ vor Ort zu haben?

Sie war von der Behandlung so gestresst, dass sie auch noch Zuhause nicht aufhören konnte zu hecheln und sich in der hintersten Ecke des Kleiderschranks versteckt hatte. Und weil sie sie nicht finden konnten und große Angst um sie hatten, riefen sie mich an und wir konnten ihr dann über die nächsten Stunden helfen, sich wieder sicher zu fühlen und wieder normal zu atmen.

Auch diese Praxis ist groß und gilt als fortschrittlich, und dort arbeiten einige TÄ, die ich sehr schätze, aber was soll diese Unverhältnismäßigkeit? Natürlich tragen auch die Katzenhalter eine Mitschuld an der Re-Traumatisierung, denn sie hätten es verhindern können, schließlich ging es nur um eine oberflächliche Wunde am Ohr.

Aber was ist aus der ersten Regel „DO NO HARM“ für (Tier-)Ärzte geworden oder gilt sie nur für „nette Patienten“?

Was für eine Ironie, dass Limas Name auch gleichzeitig ein Akronym ist, das unter Tierpsychologen und Tiertrainern bekannt ist.
Es steht für

L – east
I – ntrusive
M – inimally
A – versive

intervention.

Sollte das nicht genau auch für den Umgang mit dem Patienten, d. h. für die Arbeit von Tierärzten gelten?

DESHALB
und weil ich in den letzten 1,5 Jahren sehe, wie Tierarztpraxen „Cat Friendly“ zu Werbezwecken einsetzen ohne diese Philosophie verinnerlicht zu haben und in ihrer Arbeit zu leben und wieder andere Praxen dazu übergegangen sind, jeder Katze „prophylaktisch“ vor Behandlungsbeginn einen Trichter aufzusetzen, um Beißvorfälle zu vermeiden, anstatt ihre Mitarbeiter zu schulen,
öffne ich meine Seminarreihe „TRAUMAFREI zum TIERARZT“ erstmalig für alle, d. h. insbesondere sehr herzlich für jene Katzenhalter, die lernen und empowered werden möchten, um ein kundiger Bodyguard ihrer Katze zu werden … auch wenn es dadurch vielleicht unbequem für den einen oder anderen Tierarzt werden kann.

Weil sich schneller etwas ändern muss!

Wenn ich die Angebotsseite nicht in dem Maße zum Wohle der Katzen beeinflussen kann, wie es notwendig für eine spürbare Verbesserung im Umgang mit Katze ist, dann werde ich es eben zusätzlich auf der Nachfragerseite versuchen. Schließlich habe ich im BWL-Studium (in einem anderen Leben) gelernt, dass Angebot UND Nachfrage den Markt regulieren.

Und somit sind alle engagierten und verantwortungsvollen Katzenhalter besonders herzlich eingeladen, um zu verstehen und zu lernen, was auf der Seite der Katzenhalter und was auf der Seite der Tierärzte getan werden kann, um vor allem Angst- und Traumakatzen auch das Recht auf Gesundheit zukommen zu lassen – ohne Angst, Gewalt und Trauma.

Offene Tierärzte, TFAs, Tierpfleger und Kolleginnen sind natürlich weiterhin willkommen!

Hier geht es zur Seminarbeschreibung

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