Leider ist die subkutane GS-441524-Injektion zur Behandlung von FIP aufgrund ihres pH-Werts sehr schmerzhaft.
Aus diesem Grund – und weil die große Mehrheit der Katzenhalter und Tierärzte die „Psycho-Logik“ von Katzen und ihr Verhalten nicht versteht und sich nicht mit Low Stress-, Fear Free- und Cat Friendly Handling auskennt – findet man im Internet vor allem Videos, „Tipps & Tricks“ und Anleitungen, die rohe Gewalt oder den Einsatz „Zwangsjacken“ zeigen.
Dabei wird die Katze mithilfe von Taschen, Handtüchern oder Decken eingewickelt und praktisch kampfunfähig gemacht.
Die Begriffe Burrito, Wrap oder Purrito empfinde ich in diesem Zusammenhang als geschmacklos, da sie etwas verharmlosen, das in keinster Weise lustig für die betreffende Katze ist und auch katzenfreundlich.
☝️ Wichtig ist hier die klare Abgrenzung zum Einkuscheln in die Lieblingsdecke der Katze.
Mit diesem Video möchte ich zeigen, dass es auch anders geht – wenn wir Katzen verstehen, respektieren und mit ihnen arbeiten, anstatt einfach über ihren Körper zu verfügen.
Hier wurde ich von einer verzweifelten Katzenhalterin um Hilfe gebeten, weil sie und ihr Partner nicht mehr in der Lage waren, ihrem an FIP erkrankten Kater das FIP-Medikament ohne Gewalt zu spritzen. Trotz Halskragen und Einwickeln in ein großes Handtuch war dies nicht mehr möglich, nachdem er wieder zu Kräften gekommen war. Und inzwischen hatten sie sogar Angst vor ihm entwickelt.
Der Halskragen wurde ihm auf ausdrücklichen Wunsch der Halterin angelegt, da er eine Beiß-Historie hat und sie keinesfalls riskieren wollte, dass ich gebissen werde.
Zunächst wurde in ruhiger Atmosphäre ein angenehmer, erhöhter und rutschfester Platz für ihn geschaffen – mithilfe einer Wäschebox, einer Badematte und einer dicken Kuscheldecke neben der warmen Heizung im ruhigen Arbeitszimmer.
Ein solcher Platz erlaubt dem Menschen, um die Katze herum zu arbeiten und nicht die Katze hin und her zu drehen, um in einer entspannten Position an die Injektionsstelle zu kommen.
In der Zeit durfte er mich in positiven Interaktionen mit den beiden anderen Katzen beobachten und studieren. Und so konnte er zu der Erkenntnis kommen, dass von mir keine Bedrohung ausgeht und sich langsam an meine Stimme, meinen Geruch, meinen Anblick und mich in Bewegungen gewöhnen. Durch kurze, respektvolle Interaktionen wie z. B. bedingungslose Gastgeschenke (Lieblingsschleckcreme, Katzenminze etc.) konnte ich ihm beweisen, dass ich vielleicht sogar etwas vertrauenswürdig bin und gleichzeitig sein Befinden und Stimmungslage testen, bevor ich in kurze zufällige Körperkontakte ging.
☝️Es ist wichtig zu verstehen, dass Katzen sehr gut mit „doof“ umgehen können, was uns chronisch kranke Katzen (Diabetes, Niereninsuffizienz, Pankreatitis, Arthrose) immer wieder eindrucksvoll beweisen. Sie können nur eben nicht mit (potenziell) „gefährlich“ umgehen. Um jedoch das eine vom anderen unterscheiden zu können, brauchen sie Informationen von uns.
Wie im Video zu sehen ist, wird er nicht fixiert und ich halte ihn auch nicht fest.
Stattdessen wird er auf seiner linken Seite durch die Position vom Körper der Halterin und zu seiner rechten Seite durch ihre Hände leicht begrenzt, so dass ich ihn entsprechend zu seine rechte Seite mit der linken Hand leicht kraulend über dem Hals und mit der rechten Hand am Po sanft begrenze. Ich begrenze ihn hier auch bewusst nicht mit meinem Körper, weil er sich dadurch bedrängt fühlen könnte. Ihn nicht in eine emotionale Notlage zu bringen, indem wir ihm mit den Augen zuhören und respektvoll und kooperativ mit ihm arbeiten.
Trotzdem ich Berührungen auf ein Minimum beschränke, bilden meine Hände eine Diagonale auf seinem Körper und liegen locker am Körper, um jederzeit flexibel reagieren zu können.
Gleichzeitig erkläre ich der Katzenmama, wie wichtig ihre entspannte und zuversichtliche innere Haltung und eine leichte, fröhlich-entspannte Atmosphäre ist, wie man die Körpersprache der Katze richtig liest und mit den Händen in Konversation mit ihr gehen kann.
Ich zeige der Katzenhalterin auch, wie wir mit seinem Körper umgehen, damit er versteht: Es ist vielleicht unangenehm, aber wir sehen und hören ihn und nehmen seine Sorgen ernst. Im Video siehst du, dass er sich ruhig ablegt hatte, d. h. nicht saß oder stand, als es losging. Denn je weniger man eine Katze festhält, ihr Zeit gibt und sich mit ihr bewegt, desto mehr Vertrauen entwickelt sie.
Ich erkläre außerdem, warum es wichtig ist, nicht immer an derselben Stelle zu spritzen, warum Rasieren nicht notwendig ist und wie man sicher (mit 3! Fingern) subkutan injiziert.
Nach der Injektion durfte er sich zurückziehen – kam aber kurz darauf wieder und nahm von uns beiden Schleckcreme an.
Als Hausaufgabe bekam die Halterin, das Bilden eines Hautzelts (mit 3! Fingern) und das sichere Handling der Spritze und gleichzeitig zügige und das Spritzen an verschiedenen Stoffen zu üben, mehr Leichtigkeit und Freude in den Alltag zu bringen und täglich viele positive körperliche Interaktionen einzubauen.
Denn natürlich hatte der Kater begonnen, jeden Körperkontakt zu meiden – in Erwartung von Stress, Zwang, Gewalt und Schmerz. Gleichzeitig war auch die Halterin den ganzen Tag angespannt, weil abends wieder „das Drama“ bevorstand.
Im Grunde ist es das gleiche Prinzip wie bei der Transportbox: Sie sollte nicht nur erscheinen, wenn es zum Tierarzt geht, sondern an 365 Tagen im Jahr als komfortables Möbelstück dienen.
Den Ton habe ich im Video reguliert, weil du sonst am Ende beim Cheerleading taub geworden wärst. 🙈
